Stockgeflüster aus Dortmund-Berghofen · unser Bienentagebuch

Sind meine Bienen bereit für den kalten Winter?

|Philipp Harde
Illustration: winterfeste Bienenbeute im Schnee, innen wärmen sich die Bienen in der Wintertraube (KI-generiert)

Stockgeflüster aus Dortmund-Berghofen · Eintrag Nr. 1 · 20. Oktober 2026

Titelbild: Illustration, KI-generiert.

Liebe Bienenfreundinnen und Bienenfreunde,

willkommen in meinem Bienentagebuch! Hier erzähle ich Ihnen ab jetzt regelmäßig, was gerade bei meinen Bienen in Berghofen passiert. Ehrlich, aus erster Hand und direkt vom Bienenstand. Die kurze Antwort auf die Frage oben: Ja, meine Bienen sind bereit für den Winter.

So steht es gerade bei meinen Bienen

  • Alle Völker sind mit 15 bis 20 kg Zuckersirup eingefüttert und haben ihren Wintervorrat.
  • Die Winterbienen sammeln an sonnigen Tagen die letzten Blütenpollen.
  • Bis Ende Oktober sitzen Maulkörbe vor den Fluglöchern und schützen die Bienen beim Starten und Landen vor der Asiatischen Hornisse.
  • Ab Ende November kommen Schutzgitter gegen Mäuse vor die Fluglöcher, danach folgt die Winterbehandlung gegen die Varroamilbe.

Haben die Bienen genug Futter für den Winter?

Ja. Im August, nach der letzten Honigernte, habe ich meine Bienen eingefüttert. Jedes Volk bekommt für den Winter 15 bis 20 Kilogramm Zuckersirup. Weil ich ihnen im Sommer einen Teil ihres Honigs abnehme, ist das ihr Ersatz: Die Bienen lagern den Sirup wie Honig in ihre Waben ein und verdeckeln ihn mit Wachs. Davon leben sie bis zum Frühjahr. In Ihr Honigglas gelangt davon nichts, denn den Wintervorrat verbrauchen die Bienen selbst.

Futterschale mit Winterfutter in einer unserer Beuten, Grashalme und Korken als Schwimmhilfe für die Bienen

So sieht das Einfüttern aus: Der Zuckersirup steht in einer Schale direkt im Bienenstock. Grashalme und Korken dienen als kleine Rettungsinseln, damit keine Biene ertrinkt.

Was machen die Bienen jetzt im Herbst?

Jetzt leben in den Stöcken vor allem die sogenannten Winterbienen. Während eine Sommerbiene nur etwa sechs Wochen alt wird, leben Winterbienen mehrere Monate. Sie haben eine ganz besondere Aufgabe: das Volk sicher bis ins Frühjahr zu bringen.

An sonnigen Herbsttagen sieht man sie noch fleißig ausfliegen. Sie sammeln die letzten Blütenpollen des Jahres und tragen sie als kleine bunte Höschen an den Hinterbeinen nach Hause. Der Pollen ist das Eiweiß der Bienen und besonders wichtig, wenn im Frühjahr die erste Brut aufgezogen wird.

Flugbetrieb an einem Herbsttag an unserem Bienenstand.

Wie überstehen Bienen den kalten Winter?

Bienen halten keinen Winterschlaf. Wird es kälter, rücken sie eng zusammen und bilden eine Wintertraube. In ihrer Mitte sitzt die Königin. Die Bienen im Inneren zittern mit ihren Flugmuskeln und erzeugen so Wärme, die Bienen außen bilden eine dichte, wärmende Decke. Nach und nach wandert die Traube durch die Waben und frisst sich am eingelagerten Futter entlang.

Illustration: Blick in die Beute im Winter, die Bienen sitzen als Wintertraube auf den Waben, oben der Futtervorrat (KI-generiert)

Illustration, KI-generiert (vereinfachte Darstellung): So sitzen die Bienen im Winter in ihrer Beute.

Was ist eigentlich die Varroamilbe?

Varroamilbe auf einer Honigbiene auf der Wabe (KI-generiert)

KI-generiert: So sitzt eine Varroamilbe auf einer Honigbiene (vereinfachte Darstellung, nicht aus unserer Imkerei).

Die Varroamilbe ist der größte Feind unserer Honigbienen. Sie ist nur etwa 1,6 Millimeter breit, also kaum größer als ein Stecknadelkopf, und hat einen rötlich-braunen, ovalen Körper. Die Milbe sitzt auf den Bienen und vermehrt sich in den verdeckelten Brutzellen. Dort schwächt sie die heranwachsenden Bienen und überträgt Krankheiten. Ohne Hilfe des Imkers würde ein Bienenvolk heute meist nicht überleben.

Nahaufnahme einer Varroamilbe (KI-generiert)

KI-generiert: Eine Varroamilbe in starker Vergrößerung (vereinfachte Darstellung).

Was steht als Nächstes an?

In den nächsten Wochen wird es am Bienenstand ruhig. Bis Ende Oktober bleiben die Maulkörbe vor den Fluglöchern. Ab Ende November tausche ich sie gegen Schutzgitter, damit keine Mäuse in die warmen Beuten kriechen. Diese Gitter bleiben bis Anfang April. Ich schaue regelmäßig nach, ob die Fluglöcher frei sind und die Beuten trocken stehen, aber ich öffne die Völker nicht mehr.

Bienenbeuten mit Maulkörben vor den Fluglöchern in Dortmund-Berghofen

Unsere Beuten mit den Maulkörben gegen die Asiatische Hornisse. Sie helfen den Bienen beim Starten und Landen, bis Ende Oktober.

Mitten im Winter folgt dann die Winterbehandlung gegen die Varroamilbe. Warum gerade im Winter? Dann legt die Königin eine Brutpause ein. Es gibt keine verdeckelte Brut, in der sich die Milben verstecken können, und alle Milben sitzen auf den Bienen. Genau dann behandle ich meine Völker mit Oxalsäure. So erreiche ich fast alle Milben auf einmal, und die Bienen starten gesund ins neue Jahr.

Oxalsäure ist eine natürliche Pflanzensäure, die zum Beispiel auch in Rhabarber vorkommt. Sie ist für die Behandlung von Bienen zugelassen und wird auch in der Bio-Imkerei eingesetzt. Die Behandlung findet lange vor der nächsten Honigernte statt. Im nächsten Eintrag erzähle ich Ihnen, wie sie gelaufen ist.

Bis dahin wünsche ich Ihnen eine gemütliche Herbstzeit, vielleicht mit einer Tasse Tee, einem Löffel Honig und dem warmen Licht einer Bienenwachskerze.

Herzliche Grüße aus Berghofen,
Ihr Philipp

Imker Philipp Harde im Imkeranzug mit einer Wabe voller Bienen

Geschrieben von

Philipp Harde

Imker in Dortmund-Berghofen. In meinem Bienentagebuch nehme ich Sie mit an den Bienenstand, ehrlich und aus erster Hand. Fragen? Schreiben Sie mir gern per WhatsApp.

Weitere Einträge

Dies ist der erste Eintrag. Der nächste folgt bald, dann erzähle ich Ihnen, wie die Winterbehandlung gelaufen ist.

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Das Bienenjahr am Stand

Was passiert wann bei den Bienen?

  1. Januar Winterruhe Die Bienen sitzen in der Wintertraube und wärmen sich. Am Bienenstand ist es still, ich störe die Völker nicht.
  2. Februar Erste Ausflüge An milden Tagen machen die Bienen ihren Reinigungsflug. Die Königin beginnt langsam wieder, Eier zu legen.
  3. März Frühlingserwachen Hasel, Weide und Krokus liefern den ersten Pollen. Das Volk wächst, und ich schaue zum ersten Mal hinein.
  4. April Volle Kraft Kirschen und Obstbäume blühen. Die Mäusegitter kommen ab, die Völker werden stark, und ich setze den Honigraum auf.
  5. Mai Rapsblüte Die gelben Felder blühen, und es gibt die erste Ernte: unseren Rapshonig. Jetzt beginnt die Schwarmzeit.
  6. Juni Schwarmzeit Die Völker sind am größten. Ich kontrolliere regelmäßig, damit kein Schwarm davonfliegt.
  7. Juli Sommerernte Klee, Brombeere und Obstgärten rund um Berghofen liefern die Sommertracht. Im Juli ernte ich unseren Sommertrachthonig.
  8. August Einfüttern Nach der Ernte bekommt jedes Volk 15 bis 20 kg Zuckersirup als Wintervorrat. Gesundheitskontrolle der Bienen.
  9. September Winterbienen Die langlebigen Winterbienen schlüpfen. Vor die Fluglöcher kommen die Maulkörbe gegen die Asiatische Hornisse, sie schützen die Bienen beim Starten und Landen.
  10. OktoberJetzt Letzte Pollen An sonnigen Tagen sammeln die Bienen die letzten Pollen. Die Völker sind winterfest.
  11. November Ruhe kehrt ein Es wird kalt, die Bienen ziehen sich zur Wintertraube zusammen. Ab Ende November kommen Schutzgitter gegen Mäuse vor die Fluglöcher.
  12. Dezember Winterbehandlung In der Brutpause behandle ich die Völker mit Oxalsäure gegen die Varroamilbe.

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